Ein Glühen.

Oder auch das Ende der Funk-Stille.

Schon eine Weile ist es her, seitdem ich meine letzte Story hier veröffentlicht habe. Ich legte eine kleine Blog-Pause ein. Ich hatte zwischenzeitlich mehr Lust zu Lesen, als zu Schreiben. Und beschäftigte mich um den Jahreswechsel mit Zukunftsfragen und weiteren Ideen. Gleichzeitig tauchte ich, zumindest ein bisschen, in die Offline-Welt ab. Unser Reiseprogramm in den letzten Wochen war sehr straff – vollgepackt mit neuen Eindrücken, langen Autofahrten (Achtung Linksverkehr!) und herausfordernden Wanderungen. Auf jeden Fall, die Pause hat mir gut getan und ich hoffe, ihr schaut ab und zu doch noch auf diesem Blog vorbei.

Und nun zum Thema «Einglühen». Das Jahr 2019 haben wir in Neuseeland «eingeglüht». Auckland war der erste Stopp nach unserem fünfmonatigen Aufenthalt in Südamerika. (Was für ein Wechsel in punkto Kultur, aber auch Temperatur und Landschaft!). Wir verbrachten knapp sechs Wochen im Land des Silberfarns, der weichen Hügellandschaften, der steinigen Vulkane, weissen Sandstrände und der gut versteckten Kiwi-Vögel (wir sahen leider keine in der Wildnis, hörten aber einmal ihre nächtlichen Rufe…). Mirko teilt hier seine Foto-Auswahl von unserer Zeit auf Aoteaora, wie das Land auf Māori genannt wird.

Um euch einen kleinen Eindruck von Neuseeland zu vermitteln, gehe ich nun auf eine kleine, «glühende» Reiseanekdote ein.

Glühwürmchen.

Wir waren schon eine Weile mit unserem alten, rostigen Van (den wir je nach Laune «Gollum» oder «Sméagol» nannten) unterwegs und erreichten das kleine Dörfchen Fox Glacier auf der Südinsel von Neuseeland am Fusse des gleichnamigen Gletschers. Es war einer dieser eher langen Fahrtage und wir freuten uns auf einen ausgedehnten Abendspaziergang. Der Weg führte uns, rechtzeitig zum Sonnenuntergang, an den Lake Matheson. Die Sicht war gut und der höchste Berg Neuseelands, Mount Cook, spiegelte sich prächtig auf der glatten Wasseroberfläche. (Ein Foto davon verwendete ich für diesen Blogpost, siehe ganz oben.)

Auf dem Rückweg ins Dorf kamen wir mit einem Österreicher ins Gespräch, der in Australien lebt und hier gerade auf Reisen war. Er fragte uns, ob wir jetzt auch noch vor hätten, die Glühwürmchen zu besuchen. Uns war gänzlich unklar, was er genau meint und wo diese Tierchen dann überhaupt wären. Dank seiner Hilfe fanden wir heraus, dass besagte, besonders dunkle und windgeschützte Waldstelle ganz nah bei unserem Campingplatz ist.

Wir wussten zwar nicht genau, was uns erwarten würde. Aber der Tipp war spannend genug, um den Schlaf noch etwas nach hinten zu verschieben. Zurück beim Campingplatz rüsteten wir uns mit einer Taschenlampe aus und liefen in besagten Wald. Oder Urwald, das ist treffender. Das Klima ist in vielen Regionen Neuseelands feucht und warm, so auch hier. Überall wachsen Farnbäume, dichte Sträucher und für uns exotische Pflanzen.

Was mir in der Dunkelheit als Erstes auffiel, war das laute Zirpen der Zikaden, die Rufe der Nachtvögel und das Knistern der mir unbekannten Insekten. (Glücklicherweise gibt es auf Neuseeland keine giftigen oder gefährlichen Tiere!) Behutsam liefen wir durch die Dunkelheit. Da! Plötzlich, ein kleines grünlich schimmerndes, glühendes Licht. Es schien geradezu an einem Baumstamm zu kleben. Wir wussten, wir haben die Glühwürmchen gefunden.

Die winzigen Tierchen leben gerne in Höhlen oder dann eben an dunklen, geschützten Plätzen in Wäldern. Interessant ist, dass diese Art von Glühwürmchen nur im Larvenstadium Biolumineszenz zeigt. Ich habe kurz recherchiert. Die 6 bis 12 Monate im Larvenstadium nehmen den grössten Teil der Lebenszeit eines Glühwürmchens ein. Die Larve spinnt in dieser Zeit ein kleines Nest aus Seide und hängt an dessen Unterseite duzende Seidenfäden, die fast 40 Zentimeter lang und mit Schleimtröpfchen besetzt sind. Mit ihrem hell glühenden Körper lockt sie dann Beute an – Eintagesfliegen, Stechmücken, Nachtfalter… Sie verfangen sich in den Fäden, werden unschädlich gemacht und können so von der Larve genüsslich verzehrt werden. Dank dieser Technik kann sich das Glühwürmchen zu einer adulten Mücke entwickeln und ihren Lebenszyklus beschliessen.

Wir liefen immer weiter in den Wald hinein und schalteten unsere Taschenlampe aus. Nach einer Wegbiegung blieben wir stehen und mussten vor lauter Staunen nach Luft schnappen. Der Wald war übersät von diesen kleinen, hellgrün bis hellblau glühenden Punkten. Alles war still um uns herum und wir standen einfach nur da und bewunderten das Naturschauspiel der hungrigen Larven. Nur langsam gewöhnten sich unsere Augen an die Dunkelheit und wir erkannten, woran die Glühwürmchen hafteten. An den Unterseiten von grossen Blättern, an unebenen Baumrinden und Moos-Flächen, aber auch an Steinen und umgekippten Wurzeln. An einer offenbar besonders beliebten Stelle gelang es Mirko, ein Foto von diesen mysteriösen Tierchens zu schiessen.

Ich wäre gerne die ganze Nacht in diesem Wald geblieben. Doch irgendwann machten wir kehrt und liefen zurück zum Campingplatz. Ich könnte hier weiter von glühenden Waden – ja, Neuseeland ist ein Paradies für Wandervögel wie uns – von glühend heissen, weissen Sandstränden oder ganz simpel, rot glühenden Lagerfeuern an Campingplätzen erzählen. Dafür würde ich aber mehrere Blogposts verfassen müssen, und ihr habt bestimmt heute noch Anderes vor. Meine Erinnerungen an Neuseeland werden jedoch hoffentlich nicht erlöschen und daher behalte ich mir diese Geschichten auf, für ein Wiedersehen mit euch. Einverstanden?

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Natalie and Mirko, Machu Picchu Peru

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