Die Sehnsucht nach dem harten Geld. Sie zieht zwischen 1858 und 1900 hunderttausende Menschen unter grössten Strapazen und oft mit unglücklichem Ausgang in den Nordwesten Kanadas und nach Alaska. Sie prägt die Geschichte dieser Region, hinterlässt in der sonst so unberührten Weite und Wildnis ihre Spuren.

Der Goldrausch startet genauer gesagt 1859 im Fraser Canyon und findet seinen Höhepunkt 1898 mit dem Klondike-Goldrausch im Yukon-Territorium. Auf unserem Weg von Vancouver nach Alaska folgen auch wir den Spuren der Goldgräber aus der damaligen Zeit. Leider ohne selber ein Gold-Nugget zu finden. Dafür aber sammeln wir zahlreiche Eindrücke.

Ein Ort, Barkerville in British Columbia, bleibt uns besonders in Erinnerung. Das nostalgische Museumsdorf bildet einen spannenden Kontrast zur Reise durch grüne Wälder und tiefblaue Seen. Wir fahren durch die staubige, verschlafene und etwas heruntergekommene Kleinstadt Quesnel in Richtung Barkerville. Es fällt uns schwer, vorzustellen, dass sich Barkerville um 1863 innerhalb weniger Jahren zur damals grössten Stadt nördlich von San Francisco und westlich von Chicago mausert. Und dann, nur vier Jahrzehnte später, eine Geisterstadt wird.

Grund für Barkervilles kurze, aber intensive Erfolgsgeschichte war – ihr werdet es erraten – das Gold. Der englische Goldsucher Billy Barker kommt nach einer langen und erfolgslosen Suche in Kalifornien und im Fraser Valley in das nördlicher gelegene Cariboo-Gebiet. Er findet im Jahr 1862 im Williams Creek Gold. Sein Claim, so ergiebig, dass er 37’500 Unzen Gold einbringt. Dieser Goldfund lockt binnen weniger Wochen die Zuwanderung tausender wagemutiger Glücksritter in die Region.

Barkerville, benannt nach dem Pionier Billy, wird innerhalb kürzester Zeit aufgebaut. Wo einst karges Berggebiet war, gibt es nun diverse Einkaufsmöglichkeiten, einen Arzt, ein Coiffeur-Salon, mehrere Bordelle, ein Theater, eine Freimaurerloge, rund 20 Saloons, eine Schneiderei, ein Waffengeschäft und ein Postamt. Um genügend Güter in das abgelegene Gebiet zu transportieren und die Lebensqualität der Minenarbeiter zu verbessern, wird zeitgleich auch die Cariboo Wagon Road (entlang der – im heutigen Zustand natürlich geteert – wir übrigens gefahren sind) mit Hochdruck fertig gestellt. Mit weiteren Goldfunden führte die Regierung Lizenzen ein, und forderte hohe Beträge fürs Goldschürfen. Ein Polizeitrupp und ein strenges Gericht sorgen für Recht und Ordnung.

Doch genauso schnell wie die Stadt floriert, verlassen zum Ende des Goldrausches um 1900 die Bewohner, vor allem Europäer, die Stadt wieder. Kurz darauf kommen zahlreiche Chinesen nach Barkerville und suchen die Region weiter nach Gold ab. Doch auch sie können den Bevölkerungsrückgang und den absehbaren «Untergang» Barkervilles nicht aufhalten. Sie wird nach und nach zur Geisterstadt…

1958 beschliesst die Regierung von British Columbia, den historischen Ort zu restaurieren und für Besucher zu öffnen. Das nostalgische Museumsdorf überzeugt mit seinem Charme und entführt uns für ein paar Stunden in die rauen Tage der Pionierzeiten. Wir lauschen einem Schauspieler-Duo, das uns erklärt, wie mit Hilfe einer Wasserpumpe Gold geschürft wird. Wir besichtigen das «Chinatown», wohnen einer Gerichtsverhandlung aus der damaligen Zeit bei, lernen mehr über die physikalischen Eigenschaften von Gold und besichtigen die restaurierten Saloons und Warengeschäfte.

Unser Fazit: Die naive oder gar wahnsinnige Abenteuerfreude der Gold-Rush-Pioniere hinterlässt ein gemischtes Gefühl. Zwar bewundern wir ihren Ehrgeiz und Durchhaltewillen in dieser kargen Umgebung, verurteilen aber auch die raubzugartige Ausbeutung der Natur, die diese Goldgier auslöste. Doch, auch wenn nicht alles Gold ist, was glänzt, der Abstecher nach Barkerville wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.

P.S. Ein paar schöne Bilder unserer Fahrt durch die Gold-Rush-Gegend zeigt Mirko hier.

Leave a Reply

Natalie and Mirko, Machu Picchu Peru

We hike, drive and fly for one year through planet’s backyard. Welcome to our blog about this journey.