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Wer uns kennt, weiss, dass der West Coast Trail bei weitem nicht unsere längste Wanderung war. Gemeinsam haben wir vor zwei Jahren in 16 Tagen drei über 5000 Meter hohe Pässe im Himalaya bezwungen. Und letzten Herbst liefen wir 200 Kilometer entlang der portugiesischen Westküste durch Sand. So scheint der 75 Kilometer lange West Coast Trail auf Vancouver Island vergleichsweise einfach. Wieso dem nicht so ist, erfahrt ihr in diesem persönlichen Erlebnisbericht.

Die Erinnerung

Zwei Tage vor dem Start. Natalie und ich laufen durch das herzige Städtchen Victoria auf Vancouver Island. Es ist jedoch nach Seattle und Vancouver die dritte Stadt innert vier Tagen und so sind wir uns einig: Wir müssen raus in die Natur.

Wenig später sind wir am French Beach, einem für die Westküste von Vancouver Island typischem Strandabschnitt. Grosse Ansammlungen von Treibholz säumen den Strand. Die ausgetrockneten Baumstämme sehen aus wie Streichhölzer. Dahinter Wald – dunkelgrüner, satter Wald. Ein Dickicht aus Moos und Farn erinnern an Regenwald.

An diesem Strandabschnitt kommt uns der West Coast Trail wieder in den Sinn. Beim Planen der Weltreise waren wir über diese Mehrtageswanderung gestolpert. Aus diversen Gründen hatten wir uns jedoch gegen diesen Trail entschieden: “Wir sind noch nicht so fit” – “Es ist nicht in den Bergen” – “Die Wanderung scheint eher eine Schlammschlacht zu sein”.

Am French Beach haben wir kein Internet und so können wir uns nicht über den Trail informieren. Wir wissen nicht einmal wirklich, wo er startet.

Der Entscheid

Ein Tag vor dem Start. Völlig unbekümmert fahren wir in Richtung Norden nach Port Renfrew. Aufgrund des fehlenden Strassennetzes nördlich von Port Renfrew nehme ich an, dass dort irgendwo der Trail beginnen könnte. Wir haben aber lediglich die Absicht, in einem Visitor Center nach dem Trail zu fragen.

Das Visitor Center in Port Renfrew ist geschlossen. Die Postbeamte schickt uns aber ins nahegelegene West Coast Trail Information Center. Wir sind also nicht nur richtig, es gibt sogar extra ein Informationszentrum für diesen Trail. Die Neugier verstärkt sich deutlich.

Die Park-Rangerin schaut uns ungläubig an, als wir fragen, ob wir den Trail spontan machen könnten. Die meisten reservieren bereits im Januar, da die Anzahl Trail-Lizenzen pro Tag begrenzt ist. Zudem will sie wissen, ob wir alles für diesen Trail dabeihaben. Ohne genau zu wissen, was wir alles brauchen, sagen wir ja. Die Rangerin gibt uns grünes Licht, es hätte für den nächsten Tag noch zwei Plätze frei.

Noch ist der Entscheid nicht gefallen. Wir sind ja nicht wirklich darauf vorbereitet. Wir hatten zwar glücklicherweise einen Gaskocher und ein Pfannen-Set in Victoria und ein Zelt in Portland gekauft. Doch wir haben weder Essen noch Gas für eine 5-tägige Wanderung. Natalies Angst vor den Bären sowie dem Tragen des schweren Rucksacks lässt sie zögern. Und ich will sie nicht drängen, auch wenn mich das Abenteuer reizt.

Das West Coast Trail Information Center ist auch das Ende des Trail für alle die im Norden starten. Als wir vor der Holzbaracke warten, kommen uns viele müde, aber überglückliche “Finisher” entgegen. Alle strahlen, erzählen uns von ihren Abenteuern und sagen uns: Bei diesem Wetter müsst ihr dies unbedingt machen. Angesteckt von dieser Begeisterung entscheiden wir uns für diesen Trail.

Die Erschöpfung

Nach dem Entscheid müssen wir alle Vorbereitung für den Trail treffen: Trail buchen, Bus zu unserem Startpunkt im Norden organisieren, Gas beim Busfahrer bestellen und uns im kleinen Dorfladen mit Pasta, Reis, Snickers und Nüssen eindecken. Anschliessend beginnt das Packen, was sich als harzige Angelegenheit erweist. Ich bin voller Tatendrang und Vorfreude. Natalie ist bereits ordentlich nervös. Sie tendiert dazu, vor solchen Abenteuern eine kleine Krise einzuschieben und spielt mit dem Gedanken, das Ganze abzublasen. Zum Glück reicht meine Vorfreude an diesem sonnigen Nachmittag für zwei.

Erster Tag des Trails. Etwas zuversichtlicher steigen wir früh morgens in den Bus zum nördlichen Startpunkt: Pacheena Bay. Nach drei Stunden auf Schotterstrassen melden wir uns beim dortigen Informationszentrum zum Start bereit, bekommen grünes Licht und marschieren los.

Erst jetzt wird mir richtig bewusst, wie gross Natalies Angst vor Bären ist. Fast vor jedem Ecken und hinter jedem Gebüsch vermutet sie eines dieser magischen Geschöpfe. Trotz Bear Bells und Bear Spray ist sie unruhig. Ihre Sportuhr zeigt einen Durchschnittspuls von über 150 Schlägen pro Minute. Der schwere Rucksack allein kann kaum der einzige Grund für diese Anstrengung sein. Trotzdem kommen wir an diesem Tag gut voran und bringen die geplanten 17 Kilometer rasch hinter uns.

Am Ziel angekommen merke ich aber schnell, dass Natalies Kräfte am Ende sind. Sie schlottert und ihr wird schlecht. Der nasskalte Wind, der vom Meer her bläst, verschlimmert die Situation. Die Nacht bricht langsam ein. Natalie redet wieder vom abbrechen. Mir ist klar, dass Natalie nun schnell Wärme und Essen braucht. Ich baue das Zelt auf. Nach knapp einer Stunde im Schlafsack ist Natalie wieder aufgewärmt und mag wieder essen.

Wir hören beim Einschlafen die Wellen rauschen und schlafen beide tief in dieser Nacht.

Das Erlebnis

Tag zwei, drei und vier des Trails. Die ausführliche Beschreibung des Trails findet ihr hier. Ich sage nur so viel: Der Trail ist einfach unglaublich. Wunderschöne Strandabschnitte, die teilweise nur bei Ebbe zu begehen sind; Atemberaubende Wasserfälle zum Baden; Hohe, steile Leitern, für die man definitiv schwindelfrei sein muss; Schlammlöcher, die es geschickt zu umgehen gilt; Und dschungelartige Waldabschnitte, die nur über alte, verfaulte Holzstege zu begehen sind.

Insgesamt ist es für Natalie und auch für mich ein wunderschönes Erlebnis. Und auch wenn Natalie auch an den Folgetagen noch etwas Angst vor Bären hat oder sich dann und wann über den schweren Rucksack beklagt, so ist sie insgesamt motiviert den Trail zu beenden. Auch am dritten Tag, als wir früh morgens nur 30 bis 40 Meter vor uns einen Schwarzbären auf dem Weg sehen. Er schaut uns kurz an und zieht von dannen. Ein atemberaubendes Erlebnis und der Puls ist wohl wieder über 150.

Die Erlösung

Der fünfte und letzte Tag des Trails. Sie wollen nicht enden, diese letzten Kilometer. Obwohl der Weg einfach zu gehen ist, wirkt der Rucksack heute schwerer und die Beine müder als an den Vortagen. Mit Schokolade und Traubenzucker motiviere ich Natalie und auch mich. Plötzlich hören wir von weitem Schreie. Es sind Jubelschreie. Ist da jemand am Ziel angekommen? Aber noch sind wir im dichten Wald und sehen weit und breit kein Ende in Sicht. Umso glücklicher sind wir, also wir nur wenige Meter später die letzte Leiter erspähen: Nochmals rund 20 Meter runter zu einem kleinen Strand. Sicher unten angekommen, fallen wir uns in die Arme, jubeln und lassen uns überglücklich in den Sand fallen. Wir ziehen die Schuhe aus und warten in der Sonne auf die Fähre, welche uns zurück zu unserem Auto bringt.

Mehr Bilder vom Trail sowie eine detaillierte Beschreibung findet ihr hier: Trail-Beschrieb von Natalie.

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Natalie and Mirko, Machu Picchu Peru

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